 ##  [Dampfdruck](/de/node/64348) 

 Definition

Der Gleichgewichts­druck, den der Dampf einer Substanz ausübt, wenn er bei gegebener Temperatur im thermodynamischen Gleichgewicht mit der kondensierten Phase (Flüssigkeit oder Feststoff) steht; für einen Reinstoff spricht man vom Sättigungsdruck p_sat(T), einer Funktion der Temperatur und der thermodynamischen Stoffeigenschaften.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Im Phasengleichgewicht sind die chemischen Potentiale in der kondensierten Phase und in der Dampfphase gleich; daraus folgt, dass der Gleichgewichts­dampfdruck für einen Reinstoff eine eindeutige Funktion der Temperatur ist und mit steigender Temperatur bis zum kritischen Punkt zunimmt.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustratives Szenario → In einem geschlossenen Gefäß befindet sich eine reine Flüssigkeit bei Temperatur T. Erkennung: nach ausreichender Zeit nähert sich der Partialdruck des Dampfes p_sat(T). Handlung: Messung des Drucks im Überstandsgas im Gleichgewicht. Folge: Der gemessene Partialdruck entspricht p_sat(T) bei dieser Temperatur (unter Vernachlässigung nichtidealer Korrekturen und Endeffekte).

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Den tabellierten Dampfdruck eines Reinstoffs zur Vorhersage der Dampfkonzentration über einer Lösung oder eines Gemischs zu verwenden, ohne Aktivitätskoeffizienten oder Abweichungen von Raoults Gesetz zu berücksichtigen; der Fehler besteht darin, Reinstoff‑Sättigungswerte auf nichtideale Mehrkomponentensysteme anzuwenden.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Korrekte Gleichgewichts­dampfdruckwerte bestimmen Siedepunkte bei gegebenem Außendruck, Antriebsgrößen für Verdampfung/Kondensation und die Einstufung der Flüchtigkeit; Fehlanwendung führt zu falschen Abschätzungen von Verdampfungsraten, Kondensatorlasten und Phasentrennungsvorgängen.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Bei kleinen Tropfen oder in porösen Medien verändern Krümmung (Kelvin‑Effekt), gelöste Stoffe oder nichtideale Wechselwirkungen den effektiven Dampfdruck; in nichtgleichgewichts Situationen (transiente Verdampfung, erzwungene Konvektion) kann der lokale Partialdruck von p_sat(T) abweichen und kinetische Massentransferbegrenzungen dominieren.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Klar innerhalb: reiner einstofflicher Flüssigkeits‑ oder Feststoffzustand bei homogener Temperatur in einem Behälter mit Dampf‑Kondensatgleichgewicht. Grenzfall: verdünnte Lösungen, in denen Raoults Gesetz näherungsweise gilt. Klar außerhalb: überkritische Zustände (kein unterscheidbarer Dampf/Kondensat), metastabile Übersättigung und stark nichtideale Gemische ohne Aktivitätsdaten.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Dampfdruck steht im Spannungsfeld zwischen thermodynamischem Gleichgewicht (p_sat) und kinetischen Massentransferbedingungen; er konkurriert konzeptionell mit Partialdruckbegriffen in Gemischen und mit der technischen Größe ‚Flüchtigkeit‘.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Der Dampfdruck drückt die thermodynamische Neigung einer Substanz aus, bei gegebener Temperatur in die Gasphase überzugehen; beim Anwenden sind Reinheit, Krümmung, Lösungseinflüsse und die Frage nach Gleichgewicht versus kinetischem Transport zu prüfen.