 ##  [Pratt-Fachwerk](/de/node/65394) 

 Definition

Eine ebene Fachwerkkonfiguration, bei der die diagonalen Streben zur Spannmitte geneigt sind und unter typischer Schwerkraftbelastung vorrangig Zugkräfte aufnehmen, während die vertikalen Stäbe hauptsächlich Druckkräfte führen; häufig für einfach gelagerte Brückenfelder und Dachfachwerke verwendet, mit auf axiale Beanspruchung bemessenen Mitgliedern.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Bei üblichen abwärts gerichteten Lasten auf einer einfach gelagerten Spannweite führen die diagonale Ausrichtung zu Zug in den Diagonalen und Druck in den Vertikalen, wodurch Druckbeanspruchung in kurze, gegen Beulen resistente Mitglieder verlagert und Zugbeanspruchung in schlanke Mitglieder gelegt wird.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustrierendes Szenario → Eine einfach gelagerte Straßenbrücke erzeugt annähernd gleichmäßige Schwerkraftlasten. Erkennung → Der Tragwerksplaner wählt ein Pratt‑Fachwerk. Aktion → Unter Last nehmen die zur Mitte geneigten Diagonalstäbe Zugkräfte auf, während die Vertikalen Druckkräfte in die Knoten ableiten. Folge → Materialeffizienz: schlanke Zugstäbe widerstehen Zug ohne Beulen, und Druckstäbe bleiben kurz, um das Beulrisiko zu begrenzen.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Die Annahme, die Pratt‑Diagonalanordnung garantiere, dass alle Diagonalen in jedem Lastfall Zugkräfte führen. Diese Annahme erscheint plausibel bei Standardschwerkraftlasten, ist jedoch ein semantischer Fehler: Unausgewogene Verkehrsbelastungen, Auftrieb, Wind oder veränderte Lagerbedingungen können Diagonalen in Druck setzen, wodurch Beulnachweise und andere Details erforderlich werden.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Bei richtiger Anwendung können Mitglieder und Anschlüsse für axiale Beanspruchung optimiert werden, was zu leichten, wirtschaftlichen Feldern führt. Wird dies missachtet, können Mitglieder für mögliche Druckbeanspruchung unterbemessen sein oder der notwendige Aussteifung fehlen, was das Versagensrisiko erhöht oder Nachrüstungen erforderlich macht.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Wird das Lastbild umgekehrt (starke punktuelle Lasten, ungleichmäßige Verkehrslasten, erheblicher Auftrieb oder Auskragungen), können die angenommenen Zug/Druck‑Rollen für einzelne Mitglieder umschlagen; in solchen Fällen funktioniert das Pratt‑Prinzip nicht ohne erneute Überprüfung oder Neuentwurf.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Eindeutig innerhalb: ebenes, artikuliertes, trianguliertes Fachwerk mit diagonalen zur Mittellinie geneigten Streben bei üblichen Schwerkraftlasten. Randfall: Pratt‑Variante großer Spannweite mit zusätzlichen Streben oder gebogenen Obergurten, bei der lokal Biegebeanspruchungen oder Umkehrungen auftreten können. Eindeutig außerhalb: Howe‑Fachwerk (entgegengesetzte Diagonalorientierung), Plattenträger oder nicht‑triangulierte Tragwerke mit anderen Lastpfaden.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Wirtschaftlichkeit einer rein axialen Bemessung ↔ Forderung nach Redundanz und Robustheit: axiale Optimierung reduziert Gewicht, erhöht aber Anfälligkeit gegenüber unerwarteten Lastumkehrungen oder Knotendeflexionen.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Das Pratt‑Fachwerk übersetzt ein erwartetes Lastmuster in die Geometrie der Stäbe: Die Diagonalorientierung ist eine bewusste Gestaltungsentscheidung, die unter angenommenen Lasten Material spart, jedoch die Notwendigkeit betont, alle plausiblen Lastfälle zu prüfen.