Definition
Eine quantitative Kenngröße dafür, wie leicht Luft unter einer definierten Druckdifferenz durch die Gebäudehülle oder ein Bauteil strömt; meist angegeben als Volumenstrom pro Flächeneinheit bei Referenzdruck (z. B. m³·h⁻¹·m⁻² bei 50 Pa) oder als normalisierte Gebäudeleckage (m³·h⁻¹·m⁻² oder n50). Sie beschreibt unkontrollierte Leckagen, nicht die geplante Lüftung.

Prinzip

Prinzip
Luftströmungen durch Risse und poröse Bauteile folgen bei geringen Druckdifferenzen druckgetriebenen Beziehungen (häufig durch Potenzgesetze angenähert); höhere gemessene Durchlässigkeit bedeutet unter Wind, Schornsteinzug oder mechanischen Systemen stärkere unkontrollierte Infiltration/Exfiltration mit erhöhten Wärme‑ und Feuchtetransporten.

Demonstration

Demonstration
Illustratives Verfahren — Situation: Ein Blower‑Door‑Test beaufschlagt eine Wohnung mit 50 Pa und misst den Volumenstrom Q_50. Erkennen: Der Techniker normiert die Leckage auf die Hüllfläche zu q_50 = Q_50 / A_env (m³·h⁻¹·m⁻² @ 50 Pa). Handlung: Planer nutzen q_50 zur Abschätzung der typischen Infiltration bei Betriebsdrücken mittels Korrelationen und zur Dimensionierung von Luftdichtigkeitsmaßnahmen. Folge: Geringere Durchlässigkeit reduziert unkontrollierte Energieverluste, erfordert aber ggf. eine gesteuerte Lüftung.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Ein Ergebnis bei einer einzelnen Prüfdruckstufe als tatsächliche Nutzungs‑Infiltration zu interpretieren, ohne variable Antriebsdrücke, Windexposition, Schornsteinwirkung oder Leckverteilung zu berücksichtigen; der Fehler ist, einen Laborpunkt mit dynamischen, ortsspezifischen Bedingungen gleichzusetzen.

Konsequenz

Konsequenz
Unterschätzung der Durchlässigkeit führt zu unerwarteten Energieverlusten, Feuchteeinträgen und Unbehagen; Überschätzung kann zu unnötigen Abdichtmaßnahmen oder übertriebener mechanischer Lüftung führen, wenn falsch kompensiert wird.

Umkehrung

Umkehrung
Bei sehr geringen Antriebsdrücken kann Mikro‑Porosität dominieren und andere Strömungsexponenten zeigen; bei hohen Drücken oder großen punktuellen Öffnungen weicht das Verhalten von einfachen Potenzgesetzen ab. Ebenso beseitigt eine niedrige Prüfleckrate nicht beabsichtigte transiente Ströme durch Öffnungen (Lüftungsöffnungen, Kamine), die das Nutzungsverhalten beeinflussen.

Abgrenzung

Abgrenzung
Eindeutig innerhalb: drucknormalisierte volumetrische Leckage unter definierten Prüfbedingungen (z. B. 50 Pa). Randfall: Durchlässigkeit eines Bauteils (Fenster) pro Meter Fuge — die Hochrechnung auf das Gebäude hängt von der Ausführung ab. Eindeutig außerhalb: Kanalverluste eines Lüftungssystems oder absichtlich verstellbare Öffnungen — dies sind keine unkontrollierten Hüllleckagen.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Luftdurchlässigkeit ↔ Lüftungskonzept: Verbesserung der Luftdichtigkeit reduziert ungewollte Verluste, erhöht aber die Abhängigkeit von gesteuerter Lüftung zur IAQ; ein Spannungsfeld zwischen Energieeffizienz und benötigter, ausgewogener Lüftung besteht.

Synthese

Synthese
Luftdurchlässigkeit ist die messbare Größe für die Neigung zu unkontrollierten Leckagen und steuert maßgeblich infiltrationsbedingte Energie‑ und Feuchteflüsse; für eine zuverlässige Gebäudeperformance müssen Dichtigkeitsziele mit Lüftungskonzepten verknüpft und variable Antriebskräfte sowie Leckverteilung berücksichtigt werden.